Kinderheim "Cristo Rey"

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Bolivien  Für viele Kinder ist das Kinderdorf "Aldea de Niños Cristo Rey" am Rande der Großstadt Cochabamba in Bolivien, dem ärmsten Land Südamerikas eine Zufluchtsstätte. 220 Kinder im Alter von zwei bis 19 Jahre beherbergt es zur Zeit.

julian1Das sind Kinder, deren Väter im Gefängnis eine Strafe absitzen und deren Mütter ebenfalls in die Haftanstalten mit einziehen, um für ihre Männer zu sorgen. Der Grund ist meistens der Schmuggel illegaler Drogen, womit die Familie "über Wasser gehalten" wird. Oft werden Familien dadurch auseinander gerissen. Da sich in dem Gefängnis niemand um die Häftlinge kümmert, ziehen die Ehepartner gleich mit ein. Und somit auch die Kinder, wenn diese keine Verwandtschaft außerhalb der Familie haben. Oft wurden alte Fabrikgebäude zu Verwahranstalten für Häftlinge umfunktioniert. Hier haben sie keinerlei Privatsphäre. Mit Möbeln und Stofffetzen versuchen die Menschen ein paar Quadratmeter für sich zu markieren. Die hygienischen Umstände sind unvorstellbar. Die Kinder schlafen dort und sind sich tagsüber auf der Straße selbst überlassen.

"Eben sie wollen wir aber aus dieser katastrophalen Situation befreien", sagt die Heimleiterin Petra Sadura. 2007 ist Petra Sadura mit ihrer Familie aus Deutschland ausgewandert, um das Kinderheim zu leiten. "Hat man diese Hallen erst einmal von innen gesehen, will man den Kindern so schnell es geht helfen", so die dreifache Mutter.

julian2Oft sind es schlimme Schicksale wie Vergewaltigung oder sexueller Missbrauch, die die Kinder mit ins Heim bringen.

Das Kinderheim umfasst sieben Häuser mit insgesamt 14 Gruppen. Hier sind die Kinder in der Obhut von Tias (Erzieherinnen/deutsch: Tante). Die Kinder sollen einen geregelten Tagesablauf erlernen und leisten im Wechsel verschiedene Aufgaben wie waschen, putzen oder den Küchendienst. Die Gruppen sind nach Geschlecht und Alter aufgeteilt.

Das Heim hat eine eigene Schule, die nicht nur für die Heimkinder zur Verfügung steht. Kinder aus dem ganzen Umkreis der armen Region kommt das "Colegio Suizo – Aleman" zu Gute. Hier können sie bis zum Abitur die Schule besuchen. Ansonsten müssten viele der Kinder stundenlang zu einer nächstgelegenen Schule laufen. Jedoch haben viele der bolivianischen Kinder noch nie eine Schule von innen gesehen. Dass auch externe Schüler in das Kinderheim kommen, hat viele julian3Vorteile. Zunächst unterstützen die Eltern der externen Kinder mit einem geringen Beitrag die Heimkinder, deren Eltern kein Geld haben. Desweiteren stehen die Heimkinder dadurch in Kontakt zu Kindern außerhalb der Heimmauer. Das Leben "draußen" ist ziemlich gefährlich und das Kinderheim ist für alle Kinder eine "heile Welt". So vergessen manchmal viele, dass auch sie irgendwann wieder in diese Realität zurück müssen.

Das Heim hat eine Vielzahl von Mitarbeitern, die das Leben am Laufen halten. Das Team von Köchinnen ist jeden Tag im Kinderheim: Sieben Tage die Woche, manchmal zwölf Stunden am Tag. Sie bereiten das Essen in einer großen Küche vor, damit es später in den Gruppenküchen ausgeteilt werden kann.

Die ärztliche Versorgung übernimmt ein Team von Zahnärzten und einer Ärztin. Diese kommen an bestimmten Tagen in das Heim. Eine Krankenschwester ist ständig präsent. Über ihre Arbeitszeiten hinaus leisten sie auch präventive Hilfe, besonders bei der Zahnpflege. Auch aus Deutschland kamen in den letzten zwei Jahren regelmäßige Zahnbüsten – und Zahnpastaspenden.

julian4Nicht zuletzt ist die großartige psychologische und soziale Arbeit der Fachkräfte im Heim zu erwähnen. Die beiden Sozialarbeiterinnen kümmern sich um die Kontakterhaltung zwischen Kindern und Eltern (Besuchstage), die Psychologinnen bieten den Kindern eine Möglichkeit ihre Traumata zu verarbeiten.

Unter dem Einfluss der deutschen Schwestern Maria Magdalena Postel ist das Heim aufgebaut worden. Dementsprechend werden die Kinder unter Vermittlung christlicher Werte erzogen. Das Heim verfügt über eine eigene Kapelle. So kam es, dass Weihbischof Matthias König aus Paderborn 2012 das Kinderheim besuchte und dort unter anderem eine Messe feierte.

Unser Mitglied Julian Mönxelhaus aus Medebach war von Sommer 2010 bis Sommer 2011 als “Missionar auf Zeit” in dem Kinderheim tätig. Er und seine Familie engagieren sich weiterhin, um die Arbeit des Heimes zu unterstützen. Wie genau sie sich einsetzen, und wie Ihr dabei mithelfen könnt, hat Julian in den folgenden Artikeln zusammengestellt: